Von Märchen und einer Brauer-Dynastie

Die Nacht der Museen lockte zahlreiche Besucher ins Schramlhaus und Schloss Wolfstein – Bierverkostung kam an

Von Märchen und Brauer Dynastien !Das Heimatmuseum Schramlhaus und das Museum „Jagd Land Fluss“ hatten wieder einmal ihre Tore zur „Nacht der Museen“ geöffnet. Im Schloss Wolfstein waren in den schummrig beleuchteten Gemäuern Märchen und Geschichten angesagt und die Präsentation des Theaterstücks „Bei allem hilft Specificum“. Im Schramlhaus warteten Kreisheimatpfleger Gerhard Ruhland und der Brauereivorstand Anton Pertler mit Informationen über „Bier damals und heute – die Brauer-Dynastie Lang in Freyung“ auf. Beide Museen konnten sich über sehr großen Besucherandrang freuen.

So haben die Gäste das Schloss Wolfstein noch nie erlebt: Im Eingangsbereich wurden sie von historisch gewandeten „Märchentanten“ und der „Theatergruppe im Trachtenverein Wolfstoana Buam“ erwartet, Laternen wiesen den Weg. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Leiterin des Museums Kulturreferentin Martina Reitmaier-Ranzinger folgten gut 20 Kinder den „Märchentanten“ durchs Schloss, um an verschiedenen Stationen angesichts der Tierwelt Geschichten und Märchen zu hören.

Zunächst hörten sie im Fürstenzimmer mit „Nachts ist alles anders rum“ eine recht lustige Geschichte. Weiter ging es durch das schaurigromantisch ins Dunkel gehüllte Schloss, vorbei an den Schatten der Exponate. Bei Reh und Hirsch hörten die Kinder „Brüderchen und Schwesterchen“, beim Wolf „Der alte Sultan“ und unter den Flügeln von Falke und Rabe „Finist der Falke“. Auf Sitzkissen hockend lauschten die Kinder den Leserinnen voll Aufmerksamkeit bis zum letzten Satz.

Im Filmsaal wurde wie angekündigt eine Aufzeichnung des historischen Theaterstückes „Bei allem hilft Specificum“ präsentiert. Das Problem „Mucken der Technik“ lösten die Schauspieler pragmatisch indem sie die Geschichte um das Wundermittel „Specificum“ einfach persönlich weiter erzählten. Im Anschluss machten sich Eltern und Kinder auf einen Rundgang durch das Schloss.

Renate Liebl wiederum begrüßte die Gäste im Schramlhaus. Am großen Tisch saßen Kreisheimatpfleger Gerhard Ruhland und die „Hoamat-Buam“. Gerhard Ruhland hatte sich eingehend mit der Brauer-Dynastie Lang in Freyung beschäftigt und ging dabei bis in das Jahr 1772 zurück. Zunächst gab es die Geschichte des „Urvaters“ Lorenz Lang aus Hauzenberg sehr unterhaltsam in ein Märchen verpackt. Eigentlich sollte er Weber werden, doch sein Herz schlug schon als Kind für die Düfte aus der benachbarten Brauerei. Tatsächlich durfte er das Brauerhandwerk erlernen. Sein Ergeiz war groß, er wollte Brauer werden und eine eigene Brauerei besitzen.

Von Märchen und Brauer Dynastien 3Das Schicksal und die Familie halfen und er konnte das Kloster Asbach einschließlich Brauerei erwerben. Vom Erfolg beflügelt begründete er ein regelrechtes Brauimperium. Allerdings blieb er ohne Erben. Dafür begründete sein Bruder Josef Lang I. eine ganze Ahnenreihe mit dem Namen „Josef Lang“. Zur Geschäftstüchtigkeit gehörte auch eine sehr ausgefeilte Heiratspolitik. Die „Bier-Beziehungen“ reichten von Fürsteneck über Freyung bis nach Grafenau (Bucherbräu). Der fünfte Josef blieb allerdings ehe- und kinderlos. Andreas Lang, ein Neffe von Lorenz Lang, erwarb für seinen Sohn Johann Nepomuk Lang die Brauerei Reichenberger in Freyung, am Stadtplatz 1, den Sitz der heutigen Lang-Bräu Genossenschaft.

Er setzte sich vehement für den Bau einer Eisenbahnstrecke ein. Nach seinem Tod sorgte seine Erbin und Witwe Crescentia nicht nur für gutes Bier, sondern mit der Errichtung eines Elektrizitätswerkes auch dafür, dass den Freyungern „ein Licht aufging“. Nach ihrem Tod übernahm Johann Nepomuk II. das Ruder, gefolgt von Nepomuk III. der den älteren Freyungern noch bekannt sein dürfte.

Nach einem kurzen Blick in die jüngste Geschichte der Brauerei Lang und die Genossenschaft gab es von Vorstand Anton Pertler einen Einblick in das Brauen selbst. Bei der folgenden Bierverkostung und den zünftigen Klängen von den „Hoamat Buam“ wurde es in der guten Stube des Schramlhauses schließlich noch so richtig zünftig.